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Arthrose erkennen und behandeln – ein Ratgeber für Betroffene

Arthrose gehört zu den häufigsten Gelenkerkrankungen überhaupt und sie beginnt meist schleichend. Viele Betroffene bemerken erst nach Monaten, dass hinter ihren Beschwerden mehr steckt als normale Ermüdung oder Wetterempfindlichkeit. Arthrose ist bislang nicht heilbar, doch eine rechtzeitige Diagnose und die passende Arthrose-Therapie kann das Fortschreiten deutlich verlangsamen. Damit Sie Ihren Alltag wieder schmerzfrei meistern, hilft es oft schon die Ursachen einer Arthrose besser zu verstehen. Denn nur so können Sie Ihren Beschwerden aktiv entgegenwirken.

Erfahren Sie in unserem Ratgeber:

  • Was bei Arthrose tatsächlich im Gelenk passiert.
  • Welche Beschwerden bei Arthrose typisch sind.
  • Welche Möglichkeiten Sie haben, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

    Inhaltsverzeichnis

    1. Was passiert eigentlich in meinem Gelenk bei Arthrose?
    2. Welche Gelenke sind am häufigsten von Arthrose betroffen?
    3. Warum schmerzt das Gelenk vor allem morgens oder nach längerem Sitzen?
    4. Warum höre ich beim Bewegen Geräusche aus meinem Gelenk?
    5. Warum werden die Schmerzen bei Kälte und Wetterumschwung schlimmer?
    6. Wie kann ich Arthrose von anderen Gelenkerkrankungen unterscheiden? 
    7. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Arthrose und was bringt wirklich etwas?
    8. Welche Sportarten sind bei Arthrose geeignet?
    9. Welche Rolle spielt die Ernährung bei Arthrose?
    10. Ab wann sollte ich einen Orthopäden aufsuchen?

    1) Was passiert eigentlich in meinem Gelenk bei Arthrose?

    Ein gesundes Gelenk ist mit Knorpel ausgekleidet, einem glatten, elastischen Gewebe, das Stöße abfedert und dafür sorgt, dass die Knochenenden reibungslos übereinandergleiten. Bei Arthrose baut sich dieser Knorpel schrittweise ab. Er wird dünner, rauer und verliert letztendlich seine Fähigkeit, Belastungen gleichmäßig zu verteilen. Der Abbau verläuft in der Regel schleichend und wird in frühen Stadien oft kaum bemerkt. Mit der Zeit entstehen durch die veränderte Druckverteilung im Gelenk Entzündungsreaktionen. Diese können Schwellungen, Wärme und Schmerzen verursachen. In späteren Stadien bilden sich knöcherne Anbauten, sogenannte Osteophyten, die die Beweglichkeit zusätzlich einschränken.
    Arthrose ist keine unvermeidliche Folge des Alterns, auch wenn das Risiko mit den Jahren steigt. Fehlbelastungen, frühere Verletzungen oder genetische Veranlagung können die Erkrankung begünstigen – oft unabhängig vom Lebensalter.

    2) Welche Gelenke sind am häufigsten von Arthrose betroffen?

    Grundsätzlich kann Arthrose in jedem Gelenk auftreten. Am häufigsten betroffen sind jedoch das Kniegelenk (Gonarthrose), die Hüfte (Coxarthrose), die kleinen Wirbelgelenke sowie die Finger- und Daumensattelgelenke. Seltener, aber durchaus vorkommend, ist die Schulter- oder Sprunggelenksarthrose.

    Je nach betroffenem Gelenk unterscheiden sich die Beschwerden im Alltag erheblich. Eine Kniearthrose macht sich vor allem beim Treppensteigen oder längerem Gehen bemerkbar. Eine Hüftarthrose zeigt sich häufig als Schmerz in der Leiste oder am Oberschenkel. Fingergelenkarthrose hingegen führt oft zu tastbaren oder sichtbaren Veränderungen an den Gelenken, verbunden mit Steifigkeit beim Greifen.

    Wenn Sie unsicher sind, was die genaue Ursache Ihrer Beschwerden ist, lassen Sie sich in unserer Praxis untersuchen. Eine genaue Diagnose ist die Grundlage jeder sinnvollen Behandlung.

    3) Warum schmerzt das Gelenk vor allem morgens oder nach längerem Sitzen?

    Diese sogenannte Anlaufsteifigkeit ist ein typisches Zeichen der Arthrose. Sie entsteht, weil die Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit) in Ruhephasen schlechter verteilt wird und das Gelenk dadurch beim ersten Bewegen weniger gut geschmiert ist. Hinzu kommt, dass sich Entzündungsflüssigkeit über Nacht im Gelenk ansammeln kann.

    Ein weiterer Faktor: Die umgebende Muskulatur verspannt sich in Ruhephasen. Das erhöht den Druck auf das Gelenk und verstärkt den Schmerz beim Aufstehen oder nach längerer Sitzposition. In fortgeschrittenen Stadien reiben zudem abgenutzte Knorpelflächen stärker aufeinander, da das Gelenk noch nicht „warmgelaufen“ ist.

    Tipp: Regelmäßige Bewegung hilft, die Gelenkflüssigkeit zu verteilen und die Muskulatur zu lockern. Leichte Mobilisationsübungen direkt nach dem Aufwachen, eine warme Dusche oder moderate Bewegung wie Radfahren können die morgendlichen Beschwerden deutlich verbessern.

    4) Warum höre ich beim Bewegen Geräusche aus meinem Gelenk?

    Knacken, Reiben oder Knirschen, also sogenannte Krepitationsgeräusche, sind bei Arthrose häufig. Sie entstehen, wenn unebene Knorpeloberflächen aufeinandertreffen, wenn sich Gasbläschen in der Gelenkflüssigkeit auflösen oder wenn knöcherne Strukturen die Bewegung behindern. Auch Sehnen, die über veränderte Strukturen gleiten, können hörbare Geräusche erzeugen.

    Wichtig zu wissen: Solange diese Geräusche schmerzlos auftreten und die Beweglichkeit nicht eingeschränkt ist, sind sie in der Regel kein Alarmzeichen. Wenn die Geräusche jedoch mit Schwellungen, Wärme oder zunehmenden Schmerzen einhergehen, sollten Sie das untersuchen lassen.

    5) Warum werden die Schmerzen bei Kälte und Wetterumschwung schlimmer?

    Viele Arthrose-Betroffene reagieren empfindlich auf Kälte oder fallenden Luftdruck. Dafür gibt es mehrere Erklärungen: Bei niedrigen Temperaturen ziehen sich die Blutgefäße zusammen, was die Durchblutung des Gelenks verringert. Außerdem kann Kälte dazu führen, dass Muskeln und Bänder rund um das Gelenk verspannen und den Gelenkdruck erhöhen.

    Die Gelenkflüssigkeit selbst wird bei Kälte zähflüssiger und verteilt sich schlechter und das wiederum erhöht die Reibung. Sinkt der Luftdruck, dehnt sich das Gewebe im Gelenkspalt leicht aus, was bei bereits gereizten Gelenken als Schmerz wahrgenommen werden kann.

    Gut zu wissen: Gönnen Sie sich etwas Wärme! Wärmflaschen, Heizkissen, wärmende Bandagen oder ein warmes Bad können die Durchblutung anregen und die Beschwerden lindern.

    Achtung: Bei einem akuten Entzündungsschub dagegen kann Kälte sinnvoller sein!

    6) Wie kann ich Arthrose von anderen Gelenkerkrankungen unterscheiden?

    Die Symptome der Arthrose überschneiden sich mit denen anderer Erkrankungen, was eine sichere Selbstdiagnose schwierig macht. Typisch für Arthrose ist, dass die Beschwerden zunächst bei Belastung auftreten und sich nach kurzer Bewegung bessern. Die morgendliche Steifigkeit hält in der Regel weniger als 30 Minuten an.

    Bei rheumatoider Arthritis hingegen dauert die Morgensteifigkeit oft deutlich länger und betrifft häufig mehrere Gelenke gleichzeitig, oft auch symmetrisch auf beiden Körperseiten.

    Gicht tritt meist schlagartig auf und betrifft bevorzugt das Großzehengrundgelenk oder den Knöchel.

    Auch Meniskusschäden, Bandverletzungen oder Schleimbeutelentzündungen können ähnliche Beschwerden verursachen.

    Wichtig zu wissen: Eine eindeutige Diagnose ist nur durch eine ärztliche Untersuchung möglich. In unserer orthopädischen Privatpraxis nehmen wir uns gerne ausreichend Zeit für Ihre Befundung. Mit Hilfe von modernen bildgebenden Verfahren, wie Röntgen (externer Kooperatiospartner), Ultraschall und ggf. MRT erhalten Sie eine genaue Diagnose und einen Behandlungsplan, der individuell auf Ihre Beschwerden eingeht.  

    7) Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Arthrose und was bringt wirklich etwas?

    Die Arthrose-Therapie richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung, den betroffenen Gelenken und Ihrer individuellen Situation. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen nicht-operativen und operativen Verfahren, wobei konservative Ansätze zunächst im Vordergrund der Arthrose-Therapie stehen:

    • Bewegungstherapie und gezielte Kräftigung der gelenkumgebenden Muskulatur sind eine der wirksamsten Maßnahmen überhaupt. Sie entlasten das Gelenk, verbessern die Stabilität und können Schmerzen langfristig reduzieren. Physiotherapeutisch betreute Übungsprogramme sind dabei effektiver als ungezielte Eigenversuche. Aus diesem Grund ist das Physiozentrum Ebner direkt an unsere Praxis angebunden. So erhalten Sie die komplette Rundumversorgung direkt bei uns im Haus und können verschiedene Behandlungsschritte miteinander kombinieren – ohne zeitaufwändige Folgetermine wahrnehmen zu müssen. Gerne koordinieren wir Ihre Termine!
    • Gelenkinjektionen mit Hyaluronsäure können die Gleitfähigkeit verbessern und entzündliche Reizzustände lindern, was wiederum mehr Beweglichkeit zulässt. Hyaluronsäure ist ein körpereigener Stoff, der in gesunden Gelenken natürlicherweise vorkommt und für die Gleitfähigkeit der Gelenkflächen verantwortlich ist. Bei Arthrose nimmt die Konzentration der Hyaluronsäure in der Gelenkflüssigkeit ab.
    • Bei hartnäckigen Gelenkbeschwerden kann ergänzend die fokussierte Stoßwellentherapie einen wertvollen Beitrag zur Arthrose-Therapie leisten. Hier werden hochenergetische Schallwellen gezielt auf den betroffenen Bereich gerichtet, um die Durchblutung zu verbessern, Heilungsprozesse anzuregen und Schmerzen zu lindern. Die Behandlung erfordert keine Betäubung und wird von den meisten Patienten als angenehm beschrieben.
    • Die Eigenbluttherapie (ACP) nutzt Wachstumsfaktoren aus dem körpereigenen Blut, um Regenerationsprozesse anzuregen.
    • Akupunktur kann ergänzend zur Schmerzreduktion beitragen. In unserer orthopädischen Privatpraxis in Worms verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz und bieten unseren Patienten die therapiebegleitende Akupunktur mit Laser oder die klassische Akupunktur mit Nadeln.
    • Situationsbezogen können auch schmerzlindernde Medikamente eingesetzt werden, wie zum Beispiel entzündungshemmende Mittel.

    Kein Behandlungsverfahren wirkt bei allen Patienten gleich. Wir erstellen für Sie auf Basis einer genauen Diagnose einen individuellen Therapieplan, der Ihre persönlichen Ziele und Ihren Alltag berücksichtigt.

    8) Welche Sportarten sind bei Arthrose geeignet?

    Bewegung ist auch mit Arthrose noch möglich und auch wirklich sinnvoll. Entscheidend ist hier allerdings die Wahl der richtigen Aktivität. Entscheiden Sie sich für gelenkschonende Sportarten, die ohne starke Stoßbelastung auskommen, sind Sie gut beraten. Dazu gehören beispielsweise Schwimmen und Wassergymnastik, bei denen der Auftrieb die Gelenke entlastet, sowie Radfahren sei es auf Ihrem Hometrainer zuhause oder in der freien Natur. Nordic Walking auf weichem Untergrund und ruhiges Spazierengehen sind ebenfalls bestens geeignet, um Ihre Gelenke schonend in Bewegung zu halten.

    Mit Yoga, Tai-Chi und Pilates können Sie Ihre Beweglichkeit verbessern, die Körperwahrnehmung schulen und Ihre Muskulatur sanft kräftigen. Bevorzugen Sie eher Krafttraining, sollten Sie lieber auf leichte Gewichte und kontrollierte Bewegungen setzen. Richten Sie Ihren Fokus ganz bewusst auf Stabilisierung, nicht auf Maximalkraft!

    Vermeiden Sie Sportarten mit abrupten Richtungswechseln, hohen Aufprallkräften oder starker Verdrehung der Gelenke. Joggen auf hartem Asphalt, intensive Mannschaftssportarten oder hochintensives Intervalltraining sind bei ausgeprägter Arthrose in der Regel nicht geeignet.

    Hören Sie auf Ihren Körper! Leichter Muskelkater ist normal, anhaltende Gelenkschmerzen nach dem Sport nicht. Sprechen Sie mit uns oder mit unserem Physiotherapeuten, wenn Sie sich unsicher sind. Wir beraten Sie gerne, welche Belastung zu Ihrer aktuellen Situation passt.

    9) Welche Rolle spielt die Ernährung bei Arthrose?

    Der Gelenkverschleiß bei Arthrose ist leider unumkehrbar und auch mit der Ernährung nicht zu beeinflussen. Allerdings kann eine bewusste Ernährungsweise dazu beitragen, die Entzündungsprozesse im Körper positiv zu beeinflussen. Besonders empfehlenswert sind Lebensmittel mit einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren, die in fettem Seefisch, Walnüssen und Leinöl enthalten sind.

    Antioxidantien, die in Gemüse, Beeren und Kräuter enthalten sind, besitzen ebenfalls entzündungshemmende Eigenschaften. Auf der anderen Seite stehen Lebensmittel, die Entzündungen eher fördern, wie stark verarbeitete Produkte, Weißmehl, Zucker und Transfette. Sie sollten daher möglichst selten auf dem Speiseplan stehen.

    Ein gesundes Körpergewicht ist einer der wirkungsvollsten indirekten Beiträge der Ernährung zur Gelenkgesundheit. Jedes Kilogramm weniger reduziert die Druckbelastung auf Knie und Hüfte spürbar. Bereits eine moderate Gewichtsreduktion kann den Schmerz deutlich verringern.

    Nahrungsergänzungsmittel wie Kollagen, Glucosamin oder Boswellia werden diskutiert, die Datenlage ist jedoch uneinheitlich. Lassen Sie sich am besten von Ihrem behandelnden Arzt beraten, bevor Sie dauerhaft Präparate einnehmen.

    10) Ab wann sollte ich einen Orthopäden aufsuchen?

    Nicht jeder Gelenkschmerz erfordert sofort eine Facharztuntersuchung. Wenn Beschwerden jedoch länger als zwei bis drei Wochen anhalten, sich regelmäßig wiederholen oder sich trotz Schonung nicht bessern, sollten Sie das von einem Arzt abklären lassen. Gleiches gilt, wenn Ihr Gelenk anschwillt, sich warm anfühlt oder wenn die Beweglichkeit spürbar abnimmt.

    Auch ein neu aufgetretenes Knirschen oder Blockieren des Gelenks sowie Schmerzen, die nachts auftreten oder den Schlaf stören, sind Zeichen, die eine Untersuchung rechtfertigen. Je früher eine Arthrose erkannt wird, desto mehr Möglichkeiten bestehen, ihr Fortschreiten zu verlangsamen!

    Warten Sie nicht, bis der Schmerz unerträglich wird! Eine frühzeitige Diagnose schafft Klarheit und eröffnet Ihnen mehr Behandlungsmöglichkeiten. Vereinbaren Sie gerne einen Termin in unserer orthopädischen Privatpraxis, wir nehmen uns Zeit für eine gründliche Untersuchung und besprechen mit Ihnen gemeinsam die nächsten Schritte.

    Fazit: Arthrose ist behandelbar – frühzeitiges Handeln macht den Unterschied!

    Arthrose ist eine häufige Erkrankung, die den Alltag erheblich beeinflussen kann. Gleichzeitig ist sie kein Schicksal, dem man sich einfach fügen muss. Mit einer genauen Diagnose, einem individuell abgestimmten Therapieplan und konsequenter Eigenverantwortung – durch Bewegung, Ernährung und das richtige Verhalten im Alltag – lässt sich die Lebensqualität trotz Arthrose dauerhaft erhalten und verbessern.

    In unserer orthopädischen Privatpraxis in Worms begleiten wir Sie von der Erstdiagnose bis zur langfristigen Therapie. Wir setzen auf eine Kombination aus bewährten und innovativen Behandlungsverfahren und stellen Ihre individuelle Situation in den Mittelpunkt.

    Arthrose im Knie

    Über den Autor: Philipp Zirkel

    Philipp Zirkel ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Wirbelsäulenspezialist in der Privatpraxis Dr. Ebner & Kollegen in Worms. Nach seinem Medizinstudium sammelte er Erfahrung auf der operativen Intensivstation und in der interdisziplinären Notaufnahme. Anschließend vertiefte er seine Expertise als Assistenzarzt an der Schön Klinik Lorsch mit Schwerpunkt Wirbelsäulenorthopädie sowie in weiteren orthopädischen Einrichtungen in Frankfurt und Offenbach. Sein besonderes Interesse gilt der ganzheitlichen Versorgung von Patienten mit Rücken- und Wirbelsäulenbeschwerden.

    Dr. Marc Ebner